26.-28. Juni 2009 – 1000 Jahre Fulda

1000 Jahre Fulda – Von einem Ende der ungewöhnlichen Art

Freitag, 13.00 Uhr. Ich sitze im Volvo auf dem Weg nach Fulda. Bereits auf der A2 stehe ich am Kamener Kreuz im Stau, doch die zweispurige A44 gibt mir geduldsmäßig den Rest. Angekommen in Fulda gibt das Navi auf. Eigentlich doch kein Problem, schließlich sind Abendkonzerte und Markt „1000 Jahre Fulda“ auf dem Messegelände der Stadt. An Kölner, Essener und sogar Hammenser Verhältnisse gewöhnt geht man von einer Beschilderung dieser Location aus. Doch weit gefehlt. Hat man sich schließlich über eine unübersichtliche Landstraße vorsichtig zum ersten Hinweiser getastet, ist die Abzweigung danach nicht mir „Messe“ beschriftet, sondern mit „Westfriedhof“. Nicht sehr hilfreich.

Angekommen findet man sich auf einem großen Teer- und Schotterplatz inmitten eines Neubaugebiets mit viel Nicht drum herum. Schon öfter hat man Märkte auf Asphalt und sogar IN Messehallen erlebt und in Fulda waren es engagierte Aussteller, Lager und Händler, die den Markt mit Ambiente füllten und bestimmt hätte sich bei 15 Zentimetern Niederschlag niemand über festen Untergrund beschwert.

Insgesamt wirkt der Platz deutlich überdimensioniert für die Anzahl der Zelte. Die Lager sind auf einem Grasstreifen entlang der Einfriedung des Messegeländes verteilt und verlieren sich am Horizont, an einer Seite nur unterbrochen von der langen Kette Transporter und LKW, welche die Aktiven dort geparkt hatten. Die Mitte ist Markt- und Bühnenbereich, jedoch sind die drei Händlerreihen von breiten, sehr breiten Asphaltflächen getrennt, resultierend aus zu wenig (Zelt-)Masse auf zu viel Platz.

Doch das Wetter hält. Leider ist die Besucherzahl noch sehr übersichtlich, als die Irrlichter das lang erwartete Bühnenprogramm starten: Voll verstärkt, gut eingestellt und in neuen Gewändern spielen sie bekannte und neue Lieder, die Stücke bekommen gute Resonanz und am Cd-Stand herrscht reger Andrang. Langsam füllt es sich etwas und als die Streuner bekannte Mitmach- und Sauflieder aufspielen, wippen, klatschen und singen etwa 200 Zuschauer mit. Faun hat dann 250, 300 Zuschauer. Die Stimmung ist gut und die Konzerte allesamt einwandfrei. Das Beisammensein von Aktiven und Gästen geht bis tief in die Nacht und konzertiert sich auf die bühnennahe Taverne und einen der beiden Zuber.

Samstag. Ich komme zu spät. 11.00 Uhr war Einlass, es ist fast 12.30 Uhr, als ich auf das Gelände komme. An der Kasse erhalte ich meinen Stempel, Eintrittskarte und einen Zettel zur bevorstehenden Gewandungsprämierung. Ein Blick auf den Platz lässt mich auf die Uhr schauen. Keine, vielleicht eine Handvoll Besucher streifen über die weite Fläche von Stand zu Stand. Als die Irrlichter auf der großen Bühne auftreten, findet dies vor etwa 20 bekannten Gesichtern statt. Kurz darauf macht sich die allgemeine düstere Stimmung bemerkbar, die sich über den ganzen Markt legt.

Schließlich betreten gegen 14.00 Uhr die Marktveranstalter und der Herold die Bühne und geben bekannt, was zuvor von Stand zu Stand ging:

„Die Veranstaltung kann unter diesen Umständen nicht wie geplant durchgeführt werden. Der Markt ist beendet.“

Händlern wird freigestellt, ob sie bleiben wollen, der Eintritt ist ab diesem Moment umsonst. Einige Künstler erklären sich bereit, zu bleiben und Programm zu machen, um den wenigen, noch zu erwartenden Gästen, etwas zu bieten. Heidenspaß fährt in die Innenstadt, um mit Säcken und Schlagwerk die Werbetrommel zu rühren. Bald fahren die ersten Transporter auf den an.

Die Stimmung ist bedrückt, doch viele Händler bleiben, angebrochene Vorräte werden aufgebraucht, insgesamt wird aus der Situation das Beste gemacht.

Woran dieser Reinfall lag, wird bereits jetzt im Gästebuch der Veranstalter (www.vulkan-queste.de) und anderen Plattformen diskutiert. Ich teile die Meinung nicht, dass man die fehlenden Besucher auf die Location zurückführen kann. Asphalt oder grüne Wiese: selbst wenn es nicht ambientig ist, standen nicht 10.000 Besucher vor den Toren und sind beim Anblick der Teerfläche wieder gefahren. Ausschlaggebend muss das Zusammenkommen mehrerer Faktoren gewesen sein, die zum Großteil sicher schon auf den einzelnen Seiten erwähnt wurden: Schlechte Erreichbarkeit/Auffindbarkeit, mangelnde Werbung im Umland und der Szene, bekanntere Gegenaktionen, mangelnde Kooperation der Stadt Fulda,… Sicher waren nicht mangelndes Engagement der Orga oder die Kombination Konzert/Markt ausschlaggebend für mangelnde Besucherzahlen am Samstag.

Ist der Ausgang des Events für die Veranstalter äußerst traurig (mein Bedauern an dieser Stelle an das Team von Vulkan Queste) und für viele Aktive sicher nicht nur finanziell ein Fehlschlag, ist es auch um das Konzept eines Markts in Fulda schade, denn Location und Anspruch an „1000 Jahre Fulda“ hatten das Potential, eine runde und große Sache zu werden. Ab jetzt dürfte der Name Fulda jedoch bei jedermann von der Veranstaltungskarte radiert worden sein.

Am kommenden Wochenende findet in der Fuldaer Innenstadt übrigens ein Schandmaul/Fiddler’s Green Konzert statt.

Nachtrag 2.7.2009:
Der oben stehende Beitrag wurde im direkten Eindruck auf die Ereignisse geschrieben und lässt sicher an Sachlichkeit in der ein oder anderen Formulierung mangeln. Dennoch hoffe ich, keinen der Beteiligten persönlich anzugreifen, sondern lediglich die Stimmung des Markts wiedergegeben zu haben. Es ist in keinster Weise meine Absicht, Veranstalter, Beteiligte oder Flächeninhaber anzugreifen, und sehe es nciht als meine Aufgabe an, „Schuld“ zuzuweisen.
Im Gegenteil hoffe ich dargestellt zu haben, dass der Markt auf dem Flugplatz durchaus Potential hatte und man im Nachhinein keinen einzelnen Punkt herausgreifen kann, der zum frühen Ende des Markts geführt hat, wie dies in anderen Foren und Blogs versucht wird, dort mitunter von Personen, die die Veranstaltung nicht einmal besucht haben.

Mein aufrichtiges Bedauern gilt den Veranstaltern und den Aktiven des Markts, wer sich im Nachhinein aufregt, dass er zum Markt anreiste, weil auf den Webseiten der Orga nichts von der Absage stand, mag auf einer organisatorischen Ebene Recht haben sich zu ärgern, vergisst jedoch die menschliche Komponente des Hergangs. Das Leute von weiter her kamen und sich überhaupt ärgern können zeigt aber auch, dass der Markt nicht so schlecht beworben sein kann, wie jetzt an einigen Stellen behauptet wird.

Nachtrag 2:
Mittlerweile hat die Stadt Fulda eine Mitteilung herausgegeben, in der sie in nicht immer bürokratischen Ton Stellung zu einigen Äußerungen nimmt, die auf und nach dem Markt gefallen sind bzw. sein sollen. Sind die Leserbemerkungen auf der selben Seite der Osthessen News zum Teil aus der Luft gegriffen, reine Annahmen Außenstehender und für Mitglieder der Szene unverständlich, soll diese offizielle Verlautbarung hier der Vollständigkeit halber Erwähnung finden:
http://www.osthessen-news.de/beitrag_A.php?id=1168107

Nachtrag 3:
Im Laufe der letzten Tage wurde ich auf ein paar unglückliche Formulierungen im Text hingewiesen, der insbesondere die auftretenden Künstler bei bestimmten Lesarten unglücklich da stehen ließ. Ich habe ein paar dieser Sätze im Nachhinein geändert und abgeschliffen, bin jedoch der Meinung, dass bereits in der ersten Version klar gemacht wurde, dass die Konzerte einwandfrei durchgeführt wurden (Von Künstlern, Orga und Technik) und die Kombination Markt/Konzert sowohl von anderen Veranstaltungen bekannt ist, als auch für die Location stimmig.

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Über Jens Oliver "dae" Murer
I'm a software-developer and amateur photographer with a special interest in renaissance faires and event photography.

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