9 Dinge, die du bei deiner Online-Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beachten solltest. Teil 3 von 3

Einleitung

Letztlich war ich wieder mit einigen Bewerbungen junger Leute konfrontiert, welche die eine oder andere Schwäche aufwiesen. Ein Teil dieser Schwächen hat sicher etwas damit zu tun, das viele junge Leute heute das Schreiben von Bewerbungen von Lehrern beigebracht bekommen, deren Ausbildung 20 Jahre vor der flächendeckenden Einführung des Internets beendet wurde. Andere Gründe sind vielleicht Unsicherheit im Umgang mit dem Medium E-Mail, allgemeine Rechtschreibschwächen oder die Hektik des Alltags und dem Aussenden von Massenbewerbungen. Was ankommt ist ein Gefühl, dass es dem Bewerber dann wohl doch nicht so wichtig gewesen sein kann.

Hier neun Punkte, die man beachten sollte, um bei 40 Bewerbungen nicht schon wegen Äußerlichkeiten einen schlechten Start zu haben. Damit sind keine Tipps zum Schreiben einer Bewerbung gemeint und auch keine Floskeln und Standardformulierungen, die man auf dreißig anderen Seiten googlen kann, sondern eine Reihe von Vorgehensweisen und mehr oder weniger offensichtlichen Punkten, die häufig missachtet werden.

Disclaimer: Diese Punkte geben mein eigenes Empfinden wieder. Sie sind weder allein (und zum Teil gar nicht) für die Auswahl der Bewerbungen in der Firma, für die ich arbeite, ausschlaggebend, noch müssen sie für jeden Personalentscheider Deutschlands genauso gelten. Manch einer sieht einen oder mehrere Punkte vielleicht sogar genau andersherum und ich würde mich freuen, entsprechendes Feedback in den Kommentaren oder per Mail zu bekommen. Außerdem gehe ich von Bewerbern für bürolastige, technische Stellen aus. Für kreative oder handwerkliche Berufe mag manches ganz anders aussehen.

Die volle Liste besteht aus den Punkten

  • Rechtschreibung
  • Offline-Bewerbungen
  • Online-Bewerbungen
  • Firmennamen und Ansprechpartner
  • Die Anhänge
  • Das Deckblatt
  • Das Foto
  • Das Anschreiben
  • Deine Zertifikate

Hier der dritte von drei Teilen.

Das Foto

Zunächst: Niemand kann dazu gezwungen werden, ein Foto mit einzureichen. Niemand darf eine Bewerbung ohne Foto schlechter bewerten, als eine mit Foto.

Solltest du dich dafür entscheiden, ein Foto beizulegen, wie es in der Schule wahrscheinlich heute noch beigebracht und in der Wirtschaft üblich ist, beachte folgende Dinge:

Schicke kein 10-Megapixel-Bild, das in ein Word gepresst und dort klein gezogen wurde. Das macht die Datei unnötig riesig. Füge eine kleingerechnete, aber nicht verpixelte Version in den Lebenslauf und es ist da, wo man es erwartet.

Achte auf den Hintergrund. Fotografen leben sich selbst bei Passbildern manchmal mit Wolkenhintergründen oder schrillen Farben aus. Formuliere deinen Wunsch nach einem unifarbenen, gedeckten Hintergrund. Wenn ein Bekannter die Ambition verspürt, Fotograf sein zu wollen, ist helle Tapete ohne großes Muster das Mittel der Wahl. Betrachte solche zu Hause entstandenen Fotos nochmal sehr kritisch und spare nicht an den 7,50 Euro für Passbilder, wenn die home-made Bilder nichts taugen. Es geht um deine Ausbildung.

Was natürlich gar nicht geht, aber trotzdem geschrieben werden muss, weil es passiert, sind selbst am langen Arm aufgenommene Fotos im Kinderzimmer. Das mag im schuelerVZ ja noch lustig gewesen sein, aber Bewerbungsbilder im Badezimmerspiegel mit Klo im Hintergrund oder dem neusten Bravo Poster dürfen nicht in eine Bewerbung. Warum das überhaupt gesagt werden muss, ist mir schleierhaft. No Duckface!

Das Anschreiben

Die meisten Anschreiben bestehen aus Floskeln, die in den Anleitungen der Jobbörse, Deutschbüchern oder den ersten Treffern der Google-Suche „Bewerbung schreiben“ stehen. Natürlich hast du mit Freuden erfahren, dass wir eine Ausbildungsstelle zum August 20xx anbieten. Selbstverständlich interessierst du dich schon lange für diesen Bereich und hast dich schon früh damit beschäftigt. Aber klar bist du belastbar, teamfähig und freust dich auf neue Herausforderungen.

Was interessant ist, wäre zu wissen, warum du dich dafür interessierst. Total gut, dass du seit deinem dritten Lebensjahr programmierst, aber wie ist es dazu gekommen und warum kannst du dir vorstellen, dass auch die nächsten 50 Jahre zu tun?

Und woher kommen deine Fähigkeiten? Was hast du bisher getrieben, dass du weißt, wie belastbar und teamfähig du bist. Freiwilliges Engagement, Fußballvereinsarbeit, Trainer- und Ausbilderscheine usw. beeindrucken vielleicht nicht so sehr, wie es dir die Lehrer immer erzählen, aber sie können als Beleg deiner Aussagen durchaus hilfreich sein.

Deine Zertifikate

Nach dem Anschreiben, dem Lebenslauf und deinen Zeugnissen kommt das Sumpfland deiner Bewerbung. Niemand weiß, was danach kommt. Freischwimmer-Zeugnis? Computer-Führerschein? Jahrealte Praktikumsbescheinigungen? Im Anhang einer Bewerbung kann alles Mögliche sein und nach dem was ich bisher gesehen habe IST auch alles Mögliche darin. Zertifikate von Benimmkursen und ganze Praktikumsberichte habe ich schon gefunden. Da diese Unterlagen von einer Vielzahl von Instituten, Firmen und Schulungskräften kommt, ist es häufig schwer, sie einzuordnen. Vor kurzem ist eine Unterlage in mehreren Bewerbungen aufgetaucht. Mittlerweile weiß ich relativ gut, was ich davon zu halten habe, weil ich sie mehrere Bewerber im Gespräch habe erklären lassen. Wenn du ein Zertifikat welcher Art auch immer zu deiner Bewerbung hinzufügst, erkläre im Anschreiben, was es ist und warum du es mitschickst. „In einem dreiwöchigen Schulpraktikum in der Firma ABC in Ortsname habe ich mich bereits mit dem Beruf des XY beschäftigt und mich davon überzeugt, dass ich diese Ausbildung machen möchte. Die Praktikumsbescheinigung hängt diesem Schreiben an.“ macht nicht nur das Anschreiben um einen fundierten Satz länger und die Bewerbung etwas dicker, sondern unterstreicht auch, dass die Bewerbung nicht einfach ein zusammengeklicktes Dokument ist.

Bonus: Die Anderen in social networks

Du hast die Ausschreibung gefunden, du hast die Webseite der Firma gelesen, du warst zwei Tage vor dem Bewerbungsgespräch sogar vor Ort, um die am entscheidenden Tag nicht zu verfahren. Aber du kannst noch mehr tun. Was in die eine Richtung funktioniert, klappt genauso in die andere. Schaue vor einem Gespräch bei Google und sozialen Netzen nach, ob etwas über deinen wahrscheinlichen Gesprächspartner zu finden ist. Natürlich sollst du das Bewerbungsgespräch nicht mit Small Talk über den Briefmarkenclub des Abteilungsleiters bestreiten, aber wenn man den Lieblingsverein des Gesprächsleiters kennt, kann das im entscheidenden Moment zumindest vor einen falschen Bemerkung schützen.

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Lies auch die ersten beiden Teile der Serie unter 9 Dinge, die du bei deiner Bewerbung um einen Ausbildungsplatz beachten solltest. Teil 1 von 3 und Teil 2 von 3.

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Über Jens Oliver "dae" Murer
I'm a software-developer and amateur photographer with a special interest in renaissance faires and event photography.

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