DVD-Serie „Camelot“ – Folgen 1 bis 3

Anfang der Woche habe ich mir endlich die erste DVD von Camelot angeschaut. Die Ritterminiserie zeigt uns den Arthusmythos neu aufgelegt in ähnlicher Manier, wie man es von „Rom“ oder den Tudors kennt. Naturgemäß können die Autoren dabei wesentlich freier von geschichtlichen Wahrheiten agieren.

Angesiedelt ein paar Jahrhunderte nach dem Abzug der Römer sieht man ein Fantays-Mittelalter-England mit viel Pelzbesatz und Metallapplikationen, Rittern (bisher) ohne glitzernde Rüstungen, sondern in schmutzigen Tuniken. Überhaupt sind Kostüme und Kulisse schön gemacht, die CGI-Effekte fallen wenig bis gar nicht auf und die Kamera sucht (und findet) stets ungewöhnliche Perspektiven und Darstellungsweisen. Erster Eindruck also: Anschaubar.

Der Vorspann zeigt uns die für das Genre üblichen Kurzsequenzen: Nahaufnahmen von Schwertern und Gesichtern und Slow Motion Pferderitte auf passender Musik, ist wie schon bei den vorgenannten Serienbeispielen ganz schön lang, wie es sich eine Serie mit Folgen zu 50 Minuten auch leisten kann.

Schnell die Unterschiede zu den bisherigen Interpretationen auf: Namen sind leicht geändert, sonst eher kleine Rollen sind hier wichtige Handlungsträger, die Geschichte wird dialoglastiger erzählt und Camelot selber ist eine große Überraschung. Auch ist das englische Frühmittelalter erstaunlich zivilisiert: Bevor man sich gegenseitig an die Gurgel geht, spricht man in aller Ruhe miteinander, man geht in der Burg seines Gegners ein und aus, um Nachrichten zu überbringen und gibt sich gegenseitig auch schon mal ein paar Tage Bedenkzeit, bevor man mit der Belagerung beginnt. Dieses Setting bietet Raum für Dialoge zwischen Figuren, die sich sonst nicht begegnen könnten oder nur von Burgzinnen aus martialisch einander zuschreien würden. So erfährt man mehr über die Hintergründe der Handlungsweisen und Beweggründe der Figuren.

Der Storytwist am Ende der zweiten Folge und die Handlung der dritten zeigt dann, warum die Serie „Camelot“ und nicht „Arthur“, „Merlin“ oder „Mordred“ heißt: Plötzlich komplizierter werdende Verwicklungen zwischen den Charakteren deuten an, dass es im weiteren Verlauf tatsächlich um die Vorgänge rund um Arthurs Hof gehen wird und sich die Serie nicht streng auf „den Mann mit dem Schwert“ fokussieren wird: Das Wort „Seifenoper“ versucht sich hier aus der Klischeekiste der Filmbesprechungen zu schleichen, doch dafür ist es am Ende der der dritten Folge noch zu früh (Das es früher oder später um einen Mann und eine Frau gehen würde, wussten wir auch schon in den Ur-Versionen der Geschichte, nicht wahr?)

Sehr nett sind aber die Kleinigkleiten: Wenn Arthur sich im ersten Dialog mit seinem Bruder als „Markus Antonius“ bezeichnet, und Kay diesen Vergleich mit einem „Das bist du nicht“ abtut, ist das nicht nur ein Hinweis darauf, dass Arthur die Kriegsherrn der ehemaligen Erorberer bekannt sind und er es im weiteren Verlauf diesen nachtut; Der Satz erhält auch einen doppelten Sinn, wenn zwei Szenen weiter James Purefoy als sein Gegenspieler Lot auftaucht. Und dass die Serie weiß, woher sie kommt, sieht man, wenn zwei Charaktere sich gegenseitig mit Speer und Schwert aufspießen und so die Endszene der 1981er Verfilmung „nachspielen“.

Alles in allem haben die ersten drei Folgen Spaß gemacht: Die Neuinterpretation der Handelnden macht es nicht langweilig, die Geschichte um Excalibur (bzw. „das Schwert des Mars“) noch einmal zu sehen. Häufige Hinweise auf die Römer und andere geschichtliche Ereignisse zeigen, dass hier nicht einfach ein Fantasy-Setting gebaut wurde, sondern dass man ein mittlerweile christianisiertes England mit einer recherchierten Geschichte versehen will, die begründet, woher das Mindset der Beteiligten kommt, wo ein neuer Glaube auf alte Naturgeister stößt. Wenn es noch sieben Folgen so weitergeht, darf sich die Serie, trotz des mangelnden historischen Belegbarkeit, in einem Regal mit ähnlichen Verfilmungen sehen lassen.

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